Ein Jahr „Daten statt Dogmen“ – Debatten mit Haltung und Offenheit
April 2026. Seit genau einem Jahr eröffnet Harriet Langanke als Gastgeberin eine besondere Gesprächsreihe. Bei der GSSG – Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit begrüßt sie beim monatlichen Debatten‑Donnerstag „Daten statt Dogmen“ Gäste, die sich mit dem Themenfeld bezahlte Sexualität und Gesundheit befassen. Das Online-Format hat sich in kurzer Zeit als Ort für sachliche, kontroverse und respektvolle Auseinandersetzungen rund um Sexarbeit etabliert. Entwickelt und konzipiert wurde es von Harriet Langanke selbst, ein Initiativkreis unterstützte sie dabei. Daten statt Dogmen entstand aus dem Anspruch heraus, eine Debatte zu ermöglichen, die faktenbasiert ist und zugleich unterschiedliche Erfahrungen ernst nimmt.
Die Idee ist ebenso einfach wie anspruchsvoll: Ein Thema, eine Stunde, eine klar strukturierte Diskussion, unterschiedliche Perspektiven – und der bewusste Verzicht auf moralische Verkürzungen. Stattdessen sollen empirische Daten, Praxiserfahrungen und politische Rahmenbedingungen sichtbar werden. Das gelingt, weil „Daten statt Dogmen“ nicht als klassische Podiumsdiskussion angelegt ist, sondern als dialogisches Online‑Format, das offen für Rückfragen und Beteiligung ist (www.stiftung-gssg.org/daten-statt-dogmen/).
Regelmäßig melden sich Teilnehmende aus sehr unterschiedlichen Bereichen an: Mitarbeitende des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Praktiker:innen aus der Sexarbeit, Fachkräfte aus Beratungsstellen, Wissenschaftler:innen und politisch Interessierte. Diese Mischung prägt die Debatten – sie sorgt für Reibung, aber auch für Erkenntnisgewinn.
In den vergangenen zwölf Monaten wurden zahlreiche Themen verhandelt, die das Spannungsfeld zwischen Praxis, Politik und Forschung sichtbar machen. Exemplarisch stehen dafür etwa Debatten zur Rolle kommunaler Behörden zwischen Kontrolle und Unterstützung, zur Frage, wie belastbar gängige Zahlen und Annahmen zur Sexarbeit tatsächlich sind, oder zu den Erfahrungen von Sexarbeitenden mit Beratungs‑ und Ausstiegshilfen. Immer wieder zeigte sich: Die Wirklichkeit ist vielfältig, widersprüchlich und mit einfachen moralischen Erzählungen kaum zu erfassen.
Entsprechend breit ist auch das Spektrum der Gäste, die bei „Daten statt Dogmen“ miteinander ins Gespräch kommen. Eingeladen sind Wissenschaftler:innen unterschiedlichster Disziplinen, Praktiker:innen aus Beratung und Gesundheitsversorgung, Vertreter:innen von Behörden, politisch Verantwortliche ebenso wie Menschen mit eigener Erfahrung in der Sexarbeit. Diese Heterogenität ist kein Beiwerk, sondern programmatisch: Sie sorgt dafür, dass Positionen nicht nebeneinanderstehen, sondern sich an konkreten Daten, Erfahrungswerten und Fragen aus der Praxis reiben.
Harriet Langanke tritt dabei bewusst nicht als inhaltliche Autorität auf, sondern als moderierende Gastgeberin, die der Debatte Struktur gibt, Gesprächsregeln sichert und dafür sorgt, dass unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen. Sie führt durch die Online-Stunde, ordnet Argumente ein und behält zugleich den Chat im Blick. Gerade diese aktive Chat‑Moderation ermöglicht es auch Zuhörenden, sich niedrigschwellig einzubringen und Fragen zu platzieren, die sonst oft ungehört bleiben.
Unterstützt wird Langanke in den Debatten von Norbert Holtz, Bildungsberater und Mitglied des Initiativkreises. Er bringt zusätzliche Perspektiven ein, ist Sparringspartner für die Gäste und trägt dazu bei, Erkenntnisse aus Praxis, Bildung und Beratung miteinander zu verbinden.
Nach einem Jahr lässt sich festhalten: „Daten statt Dogmen“ ist mehr als ein weiteres Online‑Format. Es ist ein Raum für differenziertes Denken, für Widerspruch ohne Polemik – und für eine Debattenkultur, die gerade bei kontroversen Themen dringend gebraucht wird.